Tsuyu: Was die japanische Regenzeit wirklich bedeutet
Stell dir vor, du landest in Tokyo, hast drei Wochen frei und jeden Tag dieselbe Wettervorhersage: bedeckt, schwül, Regen. Willkommen in der 梅雨 (Tsuyu, Regenzeit), der japanischen Regenzeit, die je nach Region zwischen Anfang Juni und Mitte Juli andauert. In Honshu, also auf der Hauptinsel, beginnt sie typischerweise um den 8. Juni und endet rund um den 19. Juli.
Verglichen mit Deutschland ist das kein normaler Landregen. Die Luftfeuchtigkeit klettert auf 80 bis 90 Prozent, die Temperaturen liegen zwischen 22 und 30 Grad, und selbst ein kurzer Spaziergang ohne Schirm wird zur feuchten Angelegenheit. Das klingt abschreckend, ist es aber nicht zwingend.

Warum Tsuyu-Reisende oft die bessere Zeit erwischen
Der Grund ist simpel: In der Regenzeit sind die Touristenmassen deutlich kleiner. Beliebte Tempel wie der Kinkakuji in Kyoto oder die Fushimi Inari Schreinpfade sind merklich leerer als im Frühjahr zur Kirschblüte. Wer früh morgens losläuft, hat gute Chancen auf Fotos ohne Menschenmassen.
Mein Tipp: Plane Outdoor-Aktivitäten für den frühen Morgen oder späten Nachmittag. Viele Regenschauer kommen stoßweise und lassen nach. Ein guter faltbarer Regenschirm, auf Japanisch 傘 (Kasa, Regenschirm), gehört in jeden Rucksack. An jedem Konbini, also Convenience Store, gibt es sie für unter 500 Yen. Nicht schlecht, oder?
Fun Fact: In Japan gibt es eigene Wetter-Apps, die speziell für die Tsuyu-Regenzeit entwickelt wurden. Die App „Tenki.jp" liefert stundenweise Regenwahrscheinlichkeiten und ist auch auf Englisch nutzbar. Meiner Erfahrung nach ist sie präziser als internationale Wetterdienste für Japan.
Der Fuji im Sommer: Timing ist alles
Rate mal, was den Mount Fuji im Sommer besonders macht? Richtig, er ist endlich besteigbar. Die offizielle Klettersaison am Fuji-san beginnt in der Regel Anfang Juli und endet Anfang September. Wer also nach Tsuyu reist, also ab Mitte Juli, trifft auf offene Pfade, klare Sicht und deutlich bessere Bedingungen.
Die vier Hauptrouten auf den Fuji sind die Yoshida-, Subashiri-, Gotemba- und Fujinomiya-Route. Die Yoshida-Route auf der Yamanashi-Seite ist die populärste, mit den meisten Hütten (Yamagoya) und dem bekanntesten Ausgangspunkt Fuji-san 5th Station. Von dort sind es etwa 6 bis 7 Stunden Aufstieg und 3 bis 4 Stunden Abstieg.
Was sich 2024 geändert hat und 2025 gilt
Jetzt kommt der Haken: Seit 2024 gibt es an der Yoshida-Route eine Eintrittsgebühr von 2.000 Yen pro Person. Eine Tageslimit-Regelung wurde eingeführt, um Overtourism einzudämmen. Ab einem bestimmten Tagesbesucherlimit wird die Schranke geschlossen. Diese Regel gilt voraussichtlich auch in der Saison 2025. Wer frühmorgens vor 4 Uhr aufbricht oder nachmittags startet, umgeht in der Regel die Warteschlangen.
Glaub mir: Eine Nacht in einer Fuji-Hütte zu verbringen, um den Sonnenaufgang, also den Goraiko, vom Gipfel zu sehen, ist eine Erfahrung, die man so schnell nicht vergisst. Die Temperaturen oben liegen selbst im Sommer um den Gefrierpunkt. Warme Kleidung und Handschuhe sind Pflicht, keine Option.

JR Pass und Hakone Free Pass: Was sich wirklich lohnt
Hand aufs Herz: Der JR Pass ist nicht für jeden Japanreisenden automatisch ein Schnäppchen. Er lohnt sich, wenn du viele Strecken mit dem 新幹線 (Shinkansen, Hochgeschwindigkeitszug) kombinierst. Eine Tokyo-Kyoto-Osaka-Runde plus Hiroshima kostet als Einzeltickets schnell über 50.000 Yen. Der 14-Tage-JR Pass kostet seit der Preiserhöhung 2023 rund 70.000 Yen. Wer zwei Wochen intensiv reist, rechnet ihn raus.
Auf der anderen Seite: Für einen Ausflug speziell Richtung Fuji und Hakone gibt es eine clevere Alternative. Der Hakone Free Pass wird von Odakyu Railways herausgegeben und kostet ab Shinjuku je nach Variante zwischen 6.100 und 6.700 Yen für zwei Tage. Darin enthalten sind die Odakyu-Linie nach Hakone-Yumoto, die Hakone-Tozan-Bergbahn, die Seilbahn zum Owakudani-Vulkangebiet, das Piratenschiff über den Ashi-See und diverse Buslinien innerhalb der Hakone-Region.
Kombinationsmöglichkeiten für Sommer-Reisende
Das liegt daran, dass Hakone geografisch direkt zwischen Tokyo und dem Fuji liegt, sodass es sich hervorragend als Zwischenstopp eignet. Du fährst morgens aus Shinjuku ab, besuchst den Owakudani mit Blick auf den Fuji, übernachtest in einem Ryokan in Hakone-Yumoto und machst am nächsten Tag den Fuji-Aufstieg. Logistisch funktioniert das ohne Auto.
Bevor ich das vergesse: Der Hakone Free Pass gilt nicht für den JR-Abschnitt zwischen Tokyo und Odawara. Wer den Shinkansen nutzen will, zahlt den Aufpreis separat oder nutzt den JR Pass. Mit dem Romancecar von Odakyu direkt von Shinjuku nach Hakone-Yumoto ist der Komfort allerdings kaum schlechter, und die Bergpanorama-Strecke ist ohnehin ein Erlebnis für sich. Warte, da kommt noch mehr.
Was ich besonders mag: In Hakone gibt es das Hakone Open Air Museum direkt an der Bergbahn-Strecke. Es zeigt Skulpturen unter freiem Himmel mit Fuji-Sicht im Hintergrund, und der Eintritt ist mit dem Hakone Free Pass rabattiert. Ein halber Tag reicht problemlos. Auf der Website der Hakone Tourism Association findest du aktuelle Öffnungszeiten und Veranstaltungshinweise für die Sommersaison.
Japanisch lernen mit Sommer-Japan: Vokabeln, die tatsächlich nützlich sind
Wer Japanisch lernt und eine Sommerreise plant, hat den perfekten Kontext. Die Wettervokabeln kommen in fast jedem Reisegespräch vor. 雨 (Ame, Regen) bedeutet Regen, 曇り (Kumori, bewölkt) heißt bewölkt, und 暑い (Atsui, heiß, schwül) beschreibt genau das Gefühl auf der sommerlichen Straße: heiß und schwül. Yuki ga furimasu ist zwar Schneefall und jetzt irrelevant, aber Ame ga furimasu, also „es regnet", wirst du in der Tsuyu-Saison garantiert brauchen.
Fun Fact: Das Wort Tsuyu selbst schreibt sich im Japanischen mit Zeichen für Pflaume und Regen. Das liegt daran, dass die Regenzeit traditionell mit der Reifezeit der Ume-Früchte zusammenfällt. Wer also Umeshu, den japanischen Pflaumenwein, mag, weiß jetzt, warum er ein echtes Sommer-Getränk ist. Na, überzeugt?
Häufige Fragen
Wann genau beginnt die Regenzeit in Japan?
Die Regenzeit beginnt je nach Region unterschiedlich. In der Hauptregion rund um Tokyo und Kyoto startet sie typischerweise Anfang Juni und endet Mitte Juli. Okinawa ist noch früher dran, oft schon ab Mai.
Ist der Japan-Bahnpass für einen Fuji-Ausflug wirklich nötig?
Nein. Für einen reinen Fuji-Hakone-Ausflug ab Tokyo reicht der Hakone-Regiopass von Odakyu völlig aus. Er deckt die meisten Verbindungen in der Region ab und kostet deutlich weniger als der große Japan-Bahnpass.
Kann man den Fuji auch im Regen besteigen?
Technisch ja, aber es ist nicht empfehlenswert. Bei starkem Regen wird der Weg rutschig und die Sicht am Gipfel ist meist gleich null. Prüfe vor dem Aufstieg unbedingt die aktuelle Wettervorhersage und plane einen Ersatztag ein.
