Überblick
Wer zum ersten Mal von Soma Nomaoi hört, denkt vielleicht an eine Pferdeschau, an ein folkloristisches Reenactment für Touristen. Wer einmal am Straßenrand gestanden hat, wenn hundert berittene Krieger im vollen Galopp durch den Staub reiten, weiß, dass dieser Vergleich zu kurz greift. Soma Nomaoi ist ein jahrhundertealtes Reiterfest, das jedes Jahr in der Region Soma in der Präfektur Fukushima stattfindet, und es trägt die Spuren einer militärischen Tradition, die bis in die Zeit der 侍 (Samurai, Samurai, Krieger des japanischen Kriegerstands) zurückreicht. Pferde, Rüstungen, Banner, aufgewirbelter Staub und der Klang von Trommeln erzeugen ein Bild, das eher an einen historischen Feldzug erinnert als an eine moderne Aufführung. In starken Jahren kommen rund 40.000 Besucher, um zuzusehen, und genau diese Nähe von Hunderten Reitern, Tieren und Tausenden Zuschauern macht das Fest so eindrücklich, und, wie sich zeigt, nicht ganz ungefährlich.
Ursprung im Zeitalter der Samurai
Die Wurzeln von Soma Nomaoi liegen nicht in einer Erfindung für Besucher, sondern in einer militärischen Übung. Der regionalen Überlieferung nach entwickelte sich das Fest aus Manövern, mit denen die Samurai-Krieger der Soma-Region einst ihre Pferde und ihre Kampfbereitschaft trainierten, indem sie wilde Pferde einfingen und für den Kriegsdienst abrichteten. Über die Jahrhunderte verwandelte sich diese Übung in ein rituelles Ereignis, das eng mit den Schreinen und der Geschichte der Soma-Region verbunden blieb, und das bis heute den Charakter einer Waffenschau trägt, nicht den einer Kostümparade. Wer die Reiter beobachtet, wie sie in traditioneller Rüstung durch offenes Gelände preschen, spürt, dass hier keine Rolle gespielt wird, sondern eine Handlung wiederholt wird, die einmal echten Zweck hatte.

Pferde, Rüstungen und Trommeln: der Ablauf des Fests
Das Material der Rüstung, Leder, Lack, Metall, Stoff, gibt dem Fest seine Oberfläche, die sich im Sonnenlicht anders bricht als jede moderne Uniform. Banner, an langen Stangen befestigt, tragen die Wappen der Familien, die seit Generationen an Soma Nomaoi teilnehmen, und sie schlagen im Wind, während die Pferde im Galopp den Boden aufwühlen. Der Staub, der sich über das Feld legt, ist keine Kulisse, sondern die unmittelbare Folge von Hunderten Hufen, die gleichzeitig über trockene Erde donnern. Dazu der Klang der Trommeln, tief, gleichmäßig, fast körperlich spürbar für jeden, der in der Nähe steht. Wer das Fest zum ersten Mal erlebt, versteht schnell, warum Beschreibungen wie Schauspiel oder Show daneben liegen. Es ist eine Bewegung von Menschen und Tieren, die über Jahrhunderte eingeübt wurde, und die genau deshalb so unmittelbar wirkt.
Eine lebendige Tradition der Region Soma
Man kann Soma Nomaoi nicht verstehen, ohne zu begreifen, dass es kein Museumsstück ist. Die Reiter, die jedes Jahr antreten, sind keine bezahlten Darsteller, sondern Männer und Frauen aus der Region, die das Reiten, die Pflege der Pferde und den Umgang mit der Rüstung von einer Generation an die nächste weitergeben. Das Fest ist Teil der regionalen Identität der Soma-Gegend, so wie eine Töpferfamilie ihre Handgriffe an der Drehscheibe weitergibt, ohne dass ein Lehrbuch nötig wäre. Diese Kontinuität, über Jahrhunderte praktiziert und bis heute lebendig gehalten, ist das, was Soma Nomaoi von einer bloßen historischen Rekonstruktion unterscheidet. Es wird nicht nachgestellt, es wird fortgesetzt.

Nähe als Risiko: Zwischenfälle und Sicherheit
Diese Unmittelbarkeit hat eine Kehrseite, die man nicht verschweigen sollte. Wenn Hunderte Reiter, ebenso viele Pferde und Tausende Zuschauer auf engem Raum zusammenkommen, bleibt ein Rest an Risiko, der sich nicht wegplanen lässt. Immer wieder kommt es vor, wenn auch selten, dass ein Pferd durchgeht, sich der Kontrolle des Reiters entzieht und in Richtung der Zuschauer galoppiert. Ein solcher Zwischenfall hat in jüngerer Zeit Besucher am Rand der Strecke verletzt, ein Ereignis, das daran erinnert, dass Soma Nomaoi kein kontrolliertes Bühnenspektakel ist, sondern eine Veranstaltung mit echten Tieren, echtem Tempo und echter Kraft. Die Veranstalter reagieren auf solche Vorfälle mit Absperrungen und Sicherheitsvorkehrungen, doch die Grundspannung, hundert Pferde im Galopp neben Tausenden Menschen, lässt sich nicht vollständig auflösen. Wer das Fest besucht, sollte diesen Umstand ernst nehmen, den Anweisungen der Ordner folgen und Abstand zur Bahn halten.
Was Nomaoi bedeutet: ein Blick auf die Sprache
Der Name selbst erzählt schon etwas von der Geschichte des Fests. Soma bezeichnet die Region und die Familie, die das Fest über Jahrhunderte getragen hat, während sich nomaoi in seiner ursprünglichen Bedeutung aus Silben für wild, Pferd und jagen beziehungsweise treiben zusammensetzt, wörtlich also etwa das Treiben wilder Pferde. Wer beginnt, sich mit japanischem Wortschatz aus der historischen Alltagssprache zu beschäftigen, stößt bei Nomaoi auf ein gutes Beispiel dafür, wie sich Begriffe aus der Samurai-Zeit bis heute in einem konkreten, lebendigen Ereignis erhalten haben. Wer die Lautung Soma Nomaoi einmal im Kopf hat, in Umschrift, ohne Umwege über die japanische Schrift, hat bereits einen kleinen, aber festen Ankerpunkt für das eigene Japanisch-Vokabular gewonnen, einen Begriff, der sich nicht in einem Lehrbuchdialog findet, sondern in einer realen, jährlich wiederkehrenden Handlung.
Soma Nomaoi erleben: wie man einsteigt und mehr erfährt
Wer Soma Nomaoi selbst erleben möchte, plant den Besuch am besten in der Region Soma in der Präfektur Fukushima zur traditionellen Festzeit im Sommer und informiert sich vorab über die genauen Veranstaltungsorte entlang der mehrtägigen Abfolge von Ritualen und Wettkämpfen, denn das Programm erstreckt sich über mehrere Stationen und Tage. Wer nicht selbst anreisen kann, findet in Aufzeichnungen und Berichten regionaler wie überregionaler Medien die zentralen Momente wieder, den Einzug der Reiter, das Fangen der Pferde, die Zeremonien an den Schreinen. Sinnvoll ist außerdem, sich mit der Geschichte der Soma-Region und ihrer Samurai-Vergangenheit zu beschäftigen, bevor man dem Fest beiwohnt, denn wer den historischen Hintergrund kennt, sieht in den Ritualen mehr als Pferde und Staub. Und wer nebenbei ein Stück japanischen Wortschatz mitnehmen möchte, findet in Begriffen wie Nomaoi, Samurai und den Bezeichnungen für Rüstungsteile einen guten, konkreten Ausgangspunkt, näher an gelebter Geschichte als an jedem Sprachkurs-Dialog.
