Überblick: Was die Rekordzahlen wirklich bedeuten
Ich sitze gerade mit einer Tasse 焙じ茶 (Hojicha, gerösteter grüner Tee) vor meinen Notizen und muss ehrlich sagen, die Zahl hat mich kurz sprachlos gemacht. Laut der japanischen Polizeibehörde (NPA) waren 2025 landesweit 3.623 Menschen in Bergunfälle verwickelt, das sind 226 mehr als im Jahr davor und die höchste Zahl seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1961. Darunter waren 246 ausländische Besucherinnen und Besucher, ebenfalls ein Rekordwert, und 332 Menschen kamen ums Leben oder gelten als vermisst. Das sind keine abstrakten Zahlen für mich, ich bin selbst schon auf ein paar japanischen Bergen unterwegs gewesen, bei denen sich das Wetter innerhalb von zwanzig Minuten komplett gedreht hat.
Was am 6. April auf dem Fuji passiert ist
Am 6. April kam es zu einem der Vorfälle, die diese Statistik so greifbar machen. Ein 33-jähriger Mann aus der Präfektur Aichi stürzte beim Abstieg vom Fuji und galt danach als vermisst, erst am 9. April wurde er nahe dem Hoei-Krater in einem Zustand mit Herzstillstand gefunden, am 21. April wurde sein Tod schliesslich bestätigt. Neben ihm war ein 31-jähriger polnischer Kletterer gestürzt, der aber nicht als vermisst gemeldet wurde, weil er noch am selben Tag per Helikopter mit Beinverletzungen gerettet werden konnte. Seine Schilderung, dass er einen Begleiter habe abstürzen sehen, hat die Polizei erst auf die Spur des vermissten Japaners gebracht. Aber jetzt mal ehrlich, so ein Unglück ausserhalb der offiziellen Saison zeigt dir sofort, wie schnell sich am Fuji die Lage dreht.

Warum der Fuji ausserhalb der Saison so ein anderes Tier ist
Der Fuji, mit 3.776 Metern Japans höchster Berg direkt an der Grenze zwischen Shizuoka und Yamanashi, zieht jedes Jahr Hunderttausende Menschen an, und die offizielle Kletter-Saison läuft normalerweise von Juli bis Anfang September. Ausserhalb dieses Fensters sind die Wege vereist, Stürme kommen häufiger und plötzlicher, und genau in diese Zeit fiel auch der April-Unfall. Ich hab mal einen japanischen Bergführer gefragt, warum so viele Leute trotzdem ausserhalb der Saison hoch wollen, und seine Antwort war simpel: der Berg sieht von unten immer gleich freundlich aus, egal ob Juli oder April. Genau das ist die Falle.

Rettungseinsätze und die Debatte um die Kosten
Und dann, halte dich fest: laut einem Bericht von Asiae mussten in einem jüngeren Zeitraum 79 Kletterinnen und Kletterer am Fuji gerettet werden, 19 von ihnen überlebten das nicht. Rettungseinsätze am Fuji laufen normalerweise über Feuerwehr und Polizei gemeinsam mit lokalen Bergrettungsteams, wobei Wetter und Wegzustand am Ende entscheiden, wie schnell und wie riskant so ein Einsatz wird. Diese Zahlen haben in Yamanashi eine Debatte losgetreten, die seit Juni 2026 läuft: Die Präfektur prüft, ob künftig Gebühren für Helikopter-Rettungen erhoben werden sollen, um die Kosten zu decken und unvorbereitete Kletterversuche etwas unattraktiver zu machen. Ob das kommt, ist offen, aber die Richtung zeigt, wie ernst man das Thema inzwischen nimmt.
Wenn Touristen den Berg zu locker nehmen
Ein Fall, der mir besonders im Kopf hängen geblieben ist, betrifft einen 27-jährigen chinesischen Austauschstudenten, der innerhalb einer einzigen Woche zweimal gerettet werden musste. Erst blieb er nahe dem Gipfel während der offiziellen Sperrzeit ausserhalb der Saison stecken, und Tage später kehrte er zurück, weil er sein Handy verloren hatte, und musste erneut gerettet werden. Ich will hier niemanden vorführen, das kann jedem passieren, der den Fuji unterschätzt, aber genau dieser Fall zeigt, warum Behörden inzwischen so besorgt sind, dass Besucherinnen und Besucher den Berg wie einen Spaziergang behandeln.

Mount Fuji Safety: Wo du dich in Japan sicher informierst
Was ich gern vorher gewusst hätte, bevor ich das erste Mal in Japan auf einen grösseren Berg wollte: ein bisschen Vorbereitung macht am Fuji den ganzen Unterschied. Die Infozentren an den fünften Stationen (五合目 (Gogome, fünfte Station (Zwischenstation am Berg))) der Fuji-Routen sind Gold wert, dort bekommst du aktuelle Wetterlagen, Wegsperrungen und oft auch Ausrüstungstipps auf Englisch. In den Bergsteiger-Hütten (山小屋 (Yamagoya, Berghütte)) entlang der Routen kannst du dich aufwärmen, übernachten und nach dem aktuellen Zustand der Wege fragen, das ist gerade ausserhalb der Saison Gold wert. Und ein paar japanische Begriffe helfen dir dabei sowieso weiter, ich schreib sie dir mal auf.
- 登山 (Tozan, Bergsteigen) – das japanische Wort für Bergsteigen, steht auf so ziemlich jedem Hinweisschild am Fuji
- 登山届 (Tozan Todoke, Wanderanmeldung (freiwillige Meldung an die Bergpolizei)) – die freiwillige Wanderanmeldung, die du vorher online ausfüllen solltest, damit Rettungsteams im Notfall wissen, wo sie suchen müssen
- 遭難 (Sounan, Unglücksfall/Notlage in den Bergen) – bezeichnet einen Unglücksfall oder eine Notlage in den Bergen, taucht in Wetterdurchsagen und Nachrichten ständig auf
- 救助 (Kyuujo, Rettung) – das Wort für Rettung, gut zu kennen, falls du selbst mal Hilfe brauchst oder verstehen willst, worüber die Ranger sprechen
- Yamagoya – die Berghütten entlang der Routen, in denen du übernachten, aufwärmen und dich nach dem Wegzustand erkundigen kannst
Wenn du den Fuji wirklich erleben willst, dann am besten während der offiziellen Saison, mit guter Ausrüstung, genug Wasser und dem Respekt, den so ein Vulkan einfach verdient. Das MUSST du einmal gemacht haben, aber bitte mit offenen Augen für das, was dieser Berg dir zeigt, wenn du ihn unterschätzt.
