Überblick: Die kleine Box mit großer Bedeutung
Also, fangen wir ganz vorne an, genau. Ein 弁当 (Bento, Lunchbox mit fertig verpackter Mahlzeit) ist im Grunde eine sorgfältig gepackte Portionsmahlzeit in einer eigenen Box, meistens fürs Mittagessen unterwegs, für die Schule, fürs Büro oder eben für ein Picknick im Park. In der höflichen Sprache wird oft ein 'o' vorangestellt, dann heißt es お弁当 (obento, höfliche Form von Lunchbox), und die Box selbst nennt man 弁当箱 (bentobako, Lunchbox-Behälter/Box). Ich packe mir hier in Tokyo ehrlich gesagt ziemlich oft ein Bento, weil es einfach unglaublich praktisch ist und weil so eine bunt gefüllte Box optisch schon richtig richtig viel Freude macht, bevor man überhaupt den ersten Bissen genommen hat.
Ein Trend erobert die sozialen Medien: BENTO 2020
Genau und aktuell ist mir außerdem ein Trend namens BENTO 2020 immer wieder über den Weg gelaufen, der seit 2020 vor allem in den sozialen Medien in Japan kursiert. Wichtig dazu: Das ist kein offizielles Programm von irgendeinem Ministerium oder von der Regierung, sondern eher eine von Nutzerinnen und Nutzern getragene Bewegung, bei der zu Hause gekocht und das eigene Bento kreativ gestylt wird. Die Quellenlage dazu ist ehrlich gesagt nicht ganz eindeutig, dementsprechend würde ich das eher als lose, community-getriebene Sache einordnen und nicht als festes Regelwerk. Was ich daran mag: Der Trend hat wieder richtig viele Leute dazu gebracht, sich Zeit fürs eigene Kochen zu nehmen, und das finde ich einfach schön.

Kirschblütensaison: Die beste Zeit fürs Picknick
Dementsprechend fällt dieser Trend auch ziemlich genau in die Kirschblütensaison, und die ist hier in Tokyo von Ende März bis Anfang April einfach die schönste Zeit im ganzen Jahr, um dein Bento mit raus in den Park zu nehmen. Unter blühenden 桜 (Sakura, Kirschblüte)-Bäumen zu sitzen und dabei zu essen, das ist für mich jedes Jahr aufs Neue ein Moment, den ich mir bewusst freihalte, genau.
Yoshoku-Klassiker für unterwegs
Und was landet dann in so einem Frühlings-Picknick-Bento? Ganz oft sind es nostalgische 洋食 (Yoshoku, japanisch interpretierte westliche Küche)-Klassiker, also japanisch interpretierte westliche Gerichte, die super lecker kalt schmecken und den Transport locker überstehen. Omuraisu, also in Omelett gehüllter Reis, gehört genauso dazu wie Korokke, Mini-Hamburger, 卵焼き (Tamagoyaki, gerollte, gebratene Eierspeise), Mini-Spiegeleier und Mini-Katsu mit Tonkatsu-Sauce, dazu fast immer eine cremige japanische Poteto Sarada. Ich esse kein Fleisch, wie du vielleicht weißt, dementsprechend lasse ich Mini-Hamburger und Katsu meistens links liegen, aber ehrlich gesagt reicht mir schon allein die Kombination aus Tamagoyaki, Korokke und Kartoffelsalat, um richtig richtig glücklich zu sein.

Fürs Packen gibt es außerdem ein paar Tricks, die ich mir wirklich abgeschaut habe:
- Rosa sakura-förmige Papierförmchen und bunte Eier machen optisch sofort was her
- Zitronensaft verhindert, dass Gurke und Avocado braun anlaufen
- Mayo-lastige Dressings und die Poteto Sarada separat packen und erst am Picknickplatz zusammenmischen
- Alles mit Mayo oder Ei unbedingt mit einem Kühlakku kühl halten, sonst hast du am Ende mehr Magenprobleme als Picknick-Freude
Die Fünf-Farben-Regel: Go Shoku
Genau und ein Prinzip, das mir in fast jedem richtig guten Bento immer wieder begegnet, nennt sich Go Shoku, die Fünf-Farben-Regel. Weiß, Rot, Grün, Gelb und Schwarz sollen im besten Fall alle vertreten sein, und das ist nicht nur für die Optik gedacht, sondern sorgt praktischerweise fast automatisch auch für eine ausgewogene Mischung an Nährstoffen. Ich achte mittlerweile ganz automatisch darauf, wenn ich mein eigenes Bento packe, weil es wirklich einen Unterschied macht, wie viel appetitlicher so eine Box am Ende aussieht.
Zwei Geschichten, die mich diese Saison berührt haben
Was mich zuletzt aber am meisten berührt hat, waren zwei ganz persönliche Geschichten, die durch die japanischen Medien gingen. Ein 18-jähriger Student hat seiner 15-jährigen Schwester ein Bento gepackt, und die Story wurde auf Yahoo Japan News richtig oft geteilt, vor allem wegen der Farbgebung und der durchdachten Nährstoffbalance. Ehrlich, sowas macht mich jedes Mal ein bisschen weich, weil es zeigt, wie viel Fürsorge in so einer kleinen Box stecken kann.

Und dann gibt es noch die Geschichte eines 50-jährigen Zimmermanns, der unter dem Namen daikuno.bento postet und mit seinem Ebi to Chingensai no Chuka Itame Bento, also einer chinesisch angehauchten Pfanne aus Garnelen und Pak Choi, für Aufmerksamkeit gesorgt hat, worüber unter anderem das Portal LIMO berichtet hat. Ich finde es großartig, dass ausgerechnet ein Handwerker mit seiner Präzision auf der Baustelle genau diese Sorgfalt eins zu eins in seine Box überträgt, genau.
Wie Paris die japanische Lunchbox für sich entdeckt hat
Also, was mich zuletzt wirklich überrascht hat: Bento wird gerade auch in Paris zu einem richtig festen Trend. Nakamura Eriko, die seit 27 Jahren dort lebt, hat wohl ordentlich dazu beigetragen, weil sie ihren Kindern jeden Tag ein Bento gepackt hat, ihre Geschichte hat das japanische Online-Magazin Tennen Seikatsu aufgegriffen. Und in Paris hat sich mittlerweile sogar der eigene Begriff 'le bento' eingebürgert, der Trend wird dort vor allem als günstige, schnelle und trotzdem nahrhafte Alternative zum Restaurant geschätzt, teilweise sogar günstiger als ein simples Baguette-Sandwich. Dementsprechend zeigt sich mal wieder: gutes Essen in einer praktischen Box überzeugt einfach überall auf der Welt.

Wo du die Lunchbox in Japan wirklich erleben kannst
Und jetzt zur wahrscheinlich wichtigsten Frage: wo kannst du in Japan selbst in dieses Erlebnis eintauchen? Am einfachsten geht es im コンビニ (Konbini, Convenience-Store) um die Ecke, da gibt es rund um die Uhr frische Bento-Boxen für ein paar hundert Yen, und ich greife ehrlich gesagt selbst noch viel zu oft dort zu, wenn ich es mal wieder eilig habe. Etwas festlicher wird es in einem klassischen Bento-ya, einem spezialisierten Bento-Laden, oder in der Depachika, also der Feinkostabteilung im Untergeschoss großer Kaufhäuser, wo die Auswahl schon fast erschlagend schön ist. Unterwegs mit dem Zug lohnt sich außerdem unbedingt ein 駅弁 (Ekiben, Bahnhofs-Lunchbox), ein Bahnhofs-Bento, das oft regionale Spezialitäten der jeweiligen Präfektur enthält, das ist für mich jedes Mal wie ein kleines Geschmacks-Souvenir. Und zur Kirschblütenzeit, das habe ich dir ja schon erzählt, ist natürlich das Picknick unter den Sakura-Bäumen in Parks wie dem Ueno-Park oder dem Yoyogi-Park die schönste Art, ein Bento zu erleben, am besten selbst gepackt oder frisch aus dem Konbini geholt.
Vokabeln zum Mitnehmen
Zum Schluss noch kurz was fürs Sprachlernen, weil ich weiß, dass viele von euch genau deswegen hier sind:
- Obento – die höfliche Variante mit dem 'o' davor
- Bentobako – die Box selbst
- Ekiben – das Bahnhofs-Bento
- Makunouchi bento – die klassische Variante mit vielen kleinen Beilagen
- Aisai bento – wörtlich das 'liebevolle Ehefrau-Bento', ein Ausdruck für besonders liebevoll gestaltete Boxen
Das Wort Bento selbst besteht im Japanischen aus zwei Kanji-Zeichen, die zusammen so viel wie 'praktische Bequemlichkeit' bedeuten, und genau dieses kleine bisschen Kanji-Wissen nehme ich immer gerne mit, wenn ich sowieso schon am Essen bin. Jetzt geht mir das echt nicht mehr aus dem Kopf, wie lecker so eine bunte Box eigentlich immer aussieht, und ich glaube, ich packe mir heute Abend gleich selbst wieder eins für morgen, genau.
