Kyushu-Shinkansen Tsubame: Ein Zug trägt die Erinnerungen an das Kumamoto-Erdbeben

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Das Kumamoto-Erdbeben 2016: Was damals geschah

Wusstest du, dass das Kumamoto-Erdbeben im April 2016 eigentlich aus zwei schweren Hauptstößen bestand? Am 14. April traf ein Beben der Stärke 6,2 die Region. Nur zwei Tage später folgte ein noch stärkerer Schlag mit einer Magnitude von 7,0. Über 270 Menschen verloren ihr Leben, Zehntausende wurden obdachlos. Kumamoto-jo, die berühmte Burg der Stadt, die im Japanischen für Stärke und Würde steht, wurde schwer beschädigt.

Der Grund ist simpel: Kyushu liegt in einer der seismisch aktivsten Zonen Japans. Die Bevölkerung ist Erdbeben gewohnt, aber dieses traf mit einer Wucht, die selbst erfahrene Katastrophenschützer überraschte. Es traf auch die Infrastruktur mit voller Kraft, darunter den Kyushu-Shinkansen.

Was mit dem Tsubame passierte

Ich erinnere mich noch genau an die Bilder, die damals durch die internationalen Medien gingen. Shinkansen-Züge, die eigentlich als Inbegriff japanischer Ingenieurskunst gelten, lagen im Depot Kumamoto entgleist auf den Gleisen. Acht Züge der Kyushu-Shinkansen-Linie wurden damals beschädigt, einige davon erheblich. Für ein Land, das seinen Shinkansen wie einen Nationalschatz behandelt, war das ein symbolischer Schock.

Das Wort Tsubame bedeutet auf Japanisch übrigens Schwalbe, also 燕. Der Name steht seit Jahrzehnten für Eisenbahngeschichte in Kyushu. Schon vor dem Shinkansen gab es einen legendären Expresszug dieses Namens. Typisch Japan, oder? Selbst Zugnamen tragen Geschichte in sich.

Der Tsubame als rollendes Symbol des Wiederaufbaus

Fast zehn Jahre später fährt der Kyushu-Shinkansen Tsubame wieder vollständig durch Kyushu, von Hakata im Norden bis nach Kagoshima-Chuo im Süden, insgesamt rund 257 Kilometer. Was viele nicht wissen: Die Wiederherstellung des Streckenbetriebs nach dem Erdbeben dauerte auf bestimmten Abschnitten über ein Jahr. Die Infrastruktur musste nicht nur repariert, sondern an vielen Stellen grundlegend neu gesichert werden.

Jetzt wird's spannend für dich. Der Tsubame ist heute mehr als ein Verkehrsmittel. Er verbindet Orte, die 2016 durch zerstörte Straßen, gesperrte Brücken und unterbrochene Bahnstrecken voneinander abgeschnitten waren. Eine Fahrt mit ihm durch Kyushu ist deshalb auch eine Reise durch sichtbare und unsichtbare Narben einer Region, die sich neu erfunden hat.

Kumamoto heute: Wiederaufbau mit Tempo

Kumamoto-jo, die im 17. Jahrhundert erbaute Burg, gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele der Restaurationsarbeit. Über zehn Jahre hat der schrittweise Wiederaufbau gedauert, mit einem Budget von mehreren Milliarden Yen. Der Hauptturm wurde 2021 wieder für Besucher geöffnet. Wer heute mit dem Shinkansen nach Kumamoto fährt und den Turm aus dem Fenster sieht, bekommt eine Ahnung davon, was diese Stadt geleistet hat.

Das Beste daran ist, dass der Wiederaufbau in vielen Ortschaften auch dazu geführt hat, modernes erdbebensicheres Bauen mit traditioneller Architektur zu verbinden. Ein Ansatz, den Japan schon nach dem Kobe-Erdbeben 1995 entwickelt hatte und der in Kumamoto weiter verfeinert wurde.

Mit dem Shinkansen durch Kyushu: Was Japanisch-Lerner wissen sollten

Eine Reise mit dem Kyushu-Shinkansen ist auch kulturell und sprachlich lohnend. An Bord und auf den Bahnhöfen begegnen dir viele klassische japanische Ausdrücke. Der Schaffner sagt zum Beispiel beim Betreten des Wagens: 切符を拝見します (Kippu wo haiken shimasu), was so viel bedeutet wie: Ich werde die Fahrkarten prüfen. Das höfliche Verb 拝見する (haiken suru) ist übrigens keigo, also Ehrerbietungssprache, und zeigt, wie tief Höflichkeit in den japanischen Servicealltag eingebaut ist.

Mein Tipp ist, wenn du Japanisch lernst und eine Reise durch Kyushu planst, achte auf die Durchsagen im Shinkansen. Sie kommen auf Japanisch und Englisch, aber das Japanische ist klar artikuliert und für Lerner gut verständlich. Besser als jedes Hörbuch.

Ein weiterer Tipp: Der Kyushu-Shinkansen hat eine eigene optische Identität. Innendesign und Außenlackierung wurden vom renommierten Industriedesigner Eiji Mitooka entworfen, der auch für den Washi-Zug Shiki-Shima bekannt ist. Die Wagen wirken weniger steril als andere Shinkansen und spiegeln bewusst regionale Ästhetik wider.

Fairerweise muss man sagen, dass Kyushu als Reiseziel von vielen Japan-Fans noch unterschätzt wird. Tokyo, Kyoto und Osaka stehen ganz oben auf den Listen, aber wer einmal mit dem Tsubame durch die grüne Hügellandschaft zwischen Kumamoto und Kagoshima gefahren ist, versteht, warum diese Insel eine eigene Reise wert ist. Siehst du, was ich meine?

Ach ja, fast vergessen: Das Netz des Kyushu-Shinkansen wird über die Sanyo-Shinkansen-Strecke bis nach Osaka verlängert, ohne Umsteigen. Konkret heißt das, dass du in Osaka einsteigen und direkt bis Kagoshima fahren kannst, über 900 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke am Stück.

Meiner Erfahrung nach ist genau diese Art von Bahnreise das, was Japan-Besucher am tiefsten beeindruckt. Es ist nicht die Geschwindigkeit allein, sondern das Gefühl, dass ein ganzes Land hinter seinem Bahnsystem steht. Der Tsubame, mit seiner Geschichte, seinem Namen und seiner Route durch ein wiedergeborenes Kumamoto, verkörpert das besser als fast jeder andere Zug.

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Häufige Fragen

Wie oft fährt der Kyushu-Shinkansen Tsubame täglich?

Der Tsubame verkehrt mehrmals täglich auf der Strecke zwischen Hakata und Kagoshima-Chuo. Die genaue Anzahl variiert je nach Saison und Tageszeit. Auf der JR Kyushu-Website findet man aktuelle Fahrplandaten.

Kann ich den Kyushu-Shinkansen mit dem Japan Rail Pass nutzen?

Ja, der Kyushu-Shinkansen ist mit dem regulären Japan Rail Pass nutzbar. Wer nur Kyushu bereist, kann auch den günstigeren All Kyushu Rail Pass von JR Kyushu in Betracht ziehen.

Was bedeutet Tsubame auf Japanisch?

Tsubame, geschrieben als 燕, bedeutet Schwalbe. Der Name hat eine lange Tradition in der Eisenbahngeschichte Kyushus und wurde schon vor dem Shinkansen-Zeitalter für einen bekannten Expresszug verwendet.

Quellen

  1. YouTube: Kyushu Shinkansen Tsubame Kumamoto (Originalquelle)

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