Hadaka Matsuri in Okayama: Japans wildes Nacktfestival erklärt

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OtharLuin / Wikimedia Commons (CC0)

Was ist das Saidaiji Eyo Hadaka Matsuri?

Wusstest du, dass jedes Jahr rund 10.000 Männer in nichts als einem weißen Lendenschurz, dem sogenannten Fundoshi, bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt antreten? Das ist das Saidaiji Eyo Hadaka Matsuri, und es findet jeden dritten Samstag im Februar auf dem Gelände des Saidaiji Kannon-in Tempels im Stadtteil Higashiku in Okayama statt. Klingt komisch, ist aber so.

Der Name setzt sich zusammen aus Hadaka (裸, „nackt") und Matsuri (祭り, „Fest"). Das Eyo ist der spezifische Eigenname dieses Rituals und leitet sich vom Ritual des Empfangens heiliger Gegenstände ab. Konkret geht es um zwei hölzerne Stäbchen, die Shingi (神木), die der Priester kurz nach Mitternacht von einer erhöhten Plattform in die Menge wirft. Wer sie fängt und erfolgreich aus dem Gedränge trägt, dem soll ein Jahr lang Glück beschieden sein.

Und jetzt kommt's: Das Ganze spielt sich bei schmalem Licht, eiskaltem Wasser und einer Menge von Männern ab, die vorher rituell gereinigt wurden. Waschen im eiskalten Wasser, weißes Tuch, barfuß auf dem Tempelboden. Das ist kein Spaß, das ist echte Prüfung.

600 Jahre Tradition am Saidaiji Kannon-in Tempel

Der Saidaiji Kannon-in Tempel in Okayama blickt auf eine Geschichte zurück, die weit ins 15. Jahrhundert reicht. Die Ursprünge des Hadaka Matsuri liegen etwa um das Jahr 1510, was dem Festival eine rund 600 Jahre alte Tradition gibt. Damals verteilte der Priester Oshiki rechteckige Holztabletts mit buddhistischer Bedeutung an Gläubige, die sich darum stritten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte das Ritual mit den Shingi.

Apropos Geschichte: Der Tempel selbst ist dem Bodhisattva Kannon (観音) geweiht, der in der buddhistischen Tradition für Mitgefühl steht. Das klingt zunächst wie ein Widerspruch zu dem Chaos, das jedes Jahr dort stattfindet. Fairerweise muss man sagen, dass das Gedränge und der Kampf im Kontext eines Reinigungsrituals stehen, das Pech und böse Geister für das kommende Jahr vertreiben soll.

Schauen wir uns mal die Abläufe des Abends genauer an. Bereits vor Mitternacht beginnen die Teilnehmer mit rituellen Reinigungsbädern in kaltem Wasser. Dann sammeln sich die Männer eng gedrängt im Tempelinnenhof, alle im weißen Fundoshi. Um genau 0 Uhr werden die Lichter gelöscht. In dieser kurzen Dunkelheit wirft der Priester die zwei Shingi-Stäbchen, jedes etwa 20 Zentimeter lang, in die Menge. Was dann folgt, ist schwer in Worte zu fassen.

Shingi, Fundoshi und die Regeln des Festivals

Nur Männer dürfen an der Hauptzeremonie um die Shingi teilnehmen. Es gibt jedoch weitere heilige Gegenstände, die in die Menge geworfen werden, darunter Willow Wands und Mochi-Reiskuchen, bei denen auch Frauen und Kinder zuschauen und teilhaben können. Wer die Shingi ergattert, muss sie zu einem speziell vorbereiteten Kasten mit Sand tragen und dort einsetzen. Gelingt das, gilt man als Koshiuchi (腰打ち), als Glücksbringer des Jahres, und erlangt lokalen Ruhm.

Was ich besonders mag: Der Fundoshi, heute im Alltag so gut wie verschwunden, erlebt an diesem Abend seine ganz eigene Renaissance. Für viele junge Japaner ist das Festival der einzige Kontext, in dem sie dieses traditionelle Kleidungsstück überhaupt noch tragen. Das macht Hadaka Matsuri auch zu einem lebendigen Stück Sprachgeschichte, denn wer den Begriff Fundoshi (褌) kennt, versteht plötzlich auch Redewendungen wie „Fundoshi wo shimeru" (褌を締める), was so viel bedeutet wie sich auf etwas Ernstes vorbereiten.

Hadaka Matsuri erleben und verstehen als Japan-Fan

Kennst du das Gefühl, wenn du ein Bild aus Japan siehst und nicht weißt, ob du lachen oder staunen sollst? Genau das passiert den meisten beim ersten Kontakt mit Fotos vom Hadaka Matsuri. Tausende Männer, gedrängt wie Sardinen, halb nackt, mitten im Winter. Typisch Japan, oder?

Wer das Festival live sehen will, reist nach Okayama, einer Stadt im Westen der Chugoku-Region, die mit dem Shinkansen problemlos von Osaka oder Hiroshima erreichbar ist. Der Saidaiji Kannon-in liegt im Osten der Stadt und ist mit der Ako-Linie vom Bahnhof Okayama aus in etwa 25 Minuten zu erreichen. Die Hauptzeremonie findet nach Mitternacht statt, was bedeutet, man plant am besten eine Übernachtung vor Ort.

Extra-Tipp: Wer früh genug anreist, kann tagsüber die Vorbereitungen beobachten und mit Teilnehmern ins Gespräch kommen. Das ist eine der besten Gelegenheiten, echtes Japanisch in einer informellen, aufgeheizten Atmosphäre zu hören. Begriffe wie Ganbaru (頑張る, „sein Bestes geben") und Kiyome (清め, „Reinigung") fallen an diesem Tag besonders häufig.

Kurzer Schwenk: Das Festival ist kein Geheimtipp mehr. Internationale Medien berichten regelmäßig darüber, und auch ausländische Besucher dürfen unter bestimmten Bedingungen teilnehmen. Die Veranstalter stellen Fundoshi zur Verfügung und geben eine kurze Einweisung. Mut vorausgesetzt. Für mich persönlich wäre das ein absolutes Bucket-List-Erlebnis, schon allein wegen des unvergleichlichen Moments, wenn die Lichter ausgehen und 10.000 Männer kollektiv den Atem anhalten.

Häufige Fragen

Wann findet das Hadaka Matsuri in Okayama statt?

Das Saidaiji Eyo Hadaka Matsuri findet jedes Jahr am dritten Samstag im Februar statt. Die entscheidende Zeremonie mit dem Werfen der Shingi beginnt kurz nach Mitternacht.

Dürfen Frauen am Hadaka Matsuri teilnehmen?

Frauen dürfen nicht an der Hauptzeremonie um die Shingi teilnehmen, können aber als Zuschauer dabei sein und an Nebenzeremonien mit anderen geworfenen Gegenständen wie Mochi teilnehmen.

Wie komme ich zum Saidaiji Kannon-in Tempel in Okayama?

Der Tempel liegt im Stadtteil Higashiku in Okayama. Mit der Ako-Linie ab Bahnhof Okayama ist er in rund 25 Minuten erreichbar. Okayama selbst liegt an der Sanyo-Shinkansen-Strecke zwischen Osaka und Hiroshima.

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Quellen

  1. Instagram Reel: Hadaka Matsuri Okayama

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