Mount Fuji besteigen: Was eine 1-Nacht-Tour wirklich bedeutet

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Der Plan: Eine Nacht, ein Gipfel, kein Problem

Wusstest du, dass der Fuji-san mit 3.776 Metern der höchste Berg Japans ist und jedes Jahr rund 200.000 Menschen den Aufstieg wagen? Die meisten davon, genau wie ich, in einer einzigen Nacht. Die Idee klang simpel. Am Abend an der fünften Station starten, die sogenannte Gogome, nachts aufsteigen, den Sonnenaufgang am Gipfel erleben und danach wieder runter. Ein Freund hatte es gemacht. Sein Urteil war: "War anstrengend, aber okay." Ich hätte skeptischer sein sollen.

Die Vorbereitung hielt sich bei mir in Grenzen. Wanderschuhe, eine dünne Jacke und ein Liter Wasser. Ich dachte an einen langen, steilen Spaziergang. Was ich nicht eingeplant hatte, war die Kälte, der Höhenunterschied und die schiere Länge des Aufstiegs. Der Yoshida-Trail, die beliebteste der vier Routen, zieht sich von der fünften Station auf etwa 2.300 Metern bis zum Gipfel auf fast 3.800 Metern. Das klingt nach einer überschaubaren Höhendifferenz, ist es aber nicht.

Die Nacht am Berg: Härter als jeder Reiseführer es beschreibt

Mal ehrlich, der Start gegen 21 Uhr war noch entspannt. Stirnlampe an, Stöcke raus und los geht's. Die ersten zwei Stunden fühlten sich gut an. Die Luft war klar, der Blick auf die Lichter der umliegenden Städte war wirklich beeindruckend. Dann kam die sechste Station und danach wurde es anders.

Höhe, Kälte und das Schneckentempo der Nacht

Ab etwa 3.000 Metern beginnt der Körper zu rechnen. Jeder Schritt kostet mehr, die Luft fühlt sich dünner an und der Weg hört einfach nicht auf. Die Lichter der Stirnlampen vor mir bildeten eine endlose Schlange den Berg hinauf. Auf Japanisch nennt man dieses Phänomen manchmal liebevoll die "Ameisenprozession", und genau das war es. Hunderte Menschen, Schritt für Schritt, schweigend im Dunkeln.

Was viele nicht wissen, ist, dass die Temperaturen am Gipfel selbst im Hochsommer, also Juli und August, auf unter null Grad fallen können. Ich hatte eine dünne Fleecejacke. Die war gegen den Wind, der ab der achten Station einsetzt, so nützlich wie ein nasses Handtuch. Mein Tipp: Mindestens zwei Lagen obendrauf, Handschuhe und eine Mütze einpacken, egal wie warm es unten ist. Das ist kein Ratschlag aus einem Reiseführer, sondern gelebte Erkenntnis.

Höhenkrankheit: Kein Mythos, sondern bittere Realität

Hast du schon mal davon gehört, dass Höhenkrankheit schon ab 2.500 Metern auftreten kann? Ich hatte das gelesen und es halbherzig zur Kenntnis genommen. Irgendwo zwischen der siebten und achten Station bekam ich Kopfschmerzen. Zuerst leicht, dann stärker. Neben mir pausierte ein junger Mann und würgte sich diskret in einen Plastikbeutel. Auf den Berghütten, den Yamagoya, werden spezielle Sauerstoffflaschen verkauft, und ich verstand in diesem Moment, warum. Ein Puff davon kostet etwa 500 bis 1.000 Yen und er ist es wert.

Die achte Station ist psychologisch ein seltsamer Ort. Man glaubt, fast oben zu sein, ist es aber nicht. Zwischen der achten und der neunten Station lagen für mich gefühlt Stunden. Der Boden wird steiniger, der Weg enger und die Steigung brutaler. Ich habe in dieser Phase zweimal ernsthaft überlegt, umzukehren. Siehst du, was ich meine, wenn ich sage, dass ein Freund mit "war anstrengend, aber okay" dramatisch untertrieben hat?

Der Gipfel: Goraiko und das Gefühl danach

Gegen vier Uhr morgens, nach fast sieben Stunden, stand ich am Torii-Tor des Fuji-san-Sengen-Schreins am Gipfel. Goraiko nennt sich der Sonnenaufgang vom Gipfel, wörtlich etwa "das Ankommen des ehrwürdigen Lichts". Apropos ehrwürdig, der Moment, wenn die Sonne über dem Wolkenmeer aufgeht und der Himmel in Orange und Rot taucht, macht tatsächlich alles wett. Kurz, für diesen einen Moment.

Was ich besonders mag, ist die kollektive Stille in diesem Moment. Hunderte erschöpfte Menschen, die kein Wort sagen und einfach zuschauen. Anders als bei uns, wo so ein Ereignis sofort kommentiert und fotografiert wird, gibt es am Fuji-Gipfel kurz dieses ruhige, fast andächtige Innehalten. Dann gehen alle wieder zum Fotografieren über, aber dieser erste Moment ist echt.

Der Abstieg dauerte nochmals drei Stunden und war für meine Knie eine eigene Prüfung. Der Abstiegsweg am Yoshida-Trail ist vom Aufstiegsweg getrennt, führt über lockeren Vulkanasche-Boden und ist in seiner monotonen Steilheit auf eine ganz andere Art zermürbend. Nicht schlecht, oder?

Was ich jedem Fuji-Anfänger mitgeben würde

Rate mal, was der häufigste Fehler bei einer Fuji-Nachtbesteigung ist. Zu wenig Zeit einplanen. Die meisten Schätzungen gehen von fünf bis sieben Stunden für den Aufstieg aus, aber mit Pausen, Höhenanpassung und dem unvermeidlichen Menschenstau an den engeren Wegabschnitten werden es schnell acht oder mehr. Wer mit dem letzten Bus um 20 Uhr an der fünften Station ankommt und den Sonnenaufgang um kurz nach vier erwischen will, hat wenig Spielraum für Pausen.

Ganz ehrlich, Japanisch hilft hier kaum beim Aufstieg selbst, die Beschilderung ist gut auf Englisch. Aber die kleinen Hütten am Weg, in denen man für 1.000 Yen eine Tasse heißen Tee kaufen oder seinen Wanderstock mit dem charakteristischen Brennstempel versehen lassen kann, das Yakiin genannt wird, sind eine willkommene Pause und ein echter kultureller Moment. Das Wort für Stempel ist übrigens Hanko oder in diesem Kontext Yakiin, und diese gestempelten Stöcke sind ein beliebtes Souvenir.

Ein gutes Beispiel dafür, dass Reisevorbereitung auf Japanisch lohnt, ist die offizielle Fuji-Bergsteiger-Website. Sie hat Informationen auf mehreren Sprachen, aber wer japanische Nutzerbewertungen liest, bekommt die ehrlichsten Einschätzungen zu aktuellen Bedingungen. Ein erster Schritt wäre, Begriffe wie Tozan (Bergsteigen) oder Goraiko zu kennen. Aber das ist noch nicht alles.

Den Fuji einmal bestiegen zu haben, ist etwas. Ihn ein zweites Mal zu besteigen, sagt ein japanisches Sprichwort, macht einen zum Narren. Nach meiner Nacht dort oben weiß ich, was gemeint ist. Und ich verstehe beide Hälften dieses Sprichworts sehr gut.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit, den Mount Fuji zu besteigen?

Die offizielle Besteigungssaison läuft von Anfang Juli bis Mitte September. In dieser Zeit sind die Berghütten geöffnet und die Wege gepflegt. Außerhalb dieser Zeit ist der Aufstieg gefährlich und wird von den Behörden nicht empfohlen.

Brauche ich für eine Fuji-Besteigung eine besondere Ausrüstung?

Keine Profi-Ausrüstung, aber warme Kleidung in mehreren Lagen, feste Wanderschuhe, eine Stirnlampe mit Ersatzbatterien, ausreichend Wasser und Snacks sowie Regenschutz sind Pflicht. Wer zur Höhenkrankheit neigt, sollte eine Sauerstoffkapsel einpacken.

Wie lange dauert eine Fuji-Nachtbesteigung insgesamt?

Rechne mit rund 7 bis 9 Stunden für den Aufstieg und weiteren 3 bis 4 Stunden für den Abstieg. Insgesamt solltest du 12 bis 13 Stunden einplanen, ohne Anfahrt und Wartezeiten an der fünften Station.

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Quellen

  1. YouTube: Mount Fuji Nachtbesteigung (Originalvideo)

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