Hokkaido im November: Kälte, Farben und wenig Touristen
Verglichen mit Deutschland kommt der Winter in 北海道 (Hokkaido, japanische Nordinsel) früh und hart. Im November liegen die Temperaturen in 札幌 (Sapporo, Stadt auf Hokkaido) oft schon um die 5 Grad. Schnee ist möglich, besonders in der zweiten Monatshälfte. Das klingt abschreckend, ist aber so. Genau diese Jahreszeit macht Hokkaido für viele Japan-Fans besonders reizvoll. Die Herbstfarben, auf Japanisch 紅葉 (koyo, Herbstlaubfärbung), sind in Hokkaido Anfang November noch zu sehen, während sie in Tokyo längst vorbei sind.
Und jetzt kommt's: Hokkaido hat im November spürbar weniger Touristen als im Sommer oder zur Kirschblüten-Saison. Wer den Begriff „koyo" kennt und versteht, warum Japaner dafür extra Urlaub nehmen, erlebt hier etwas, das sich echte Japan-Begeisterung nennt. Die Natur rund um den Daisetsuzan-Nationalpark oder den Shiretoko-Halbinsel-Bereich ist zu dieser Zeit atemberaubend ruhig.
Was erwartet dich konkret in Hokkaido?
Sapporo ist die logische Basis. Von dort aus lassen sich Otaru (ca. 40 Minuten mit dem Zug), Niseko und Noboribetsu gut erreichen. Glaub mir, ein Abend in einem ryokan in Noboribetsu mit onsen direkt nach einem langen Reisetag ist eines der besten Dinge, die Japan zu bieten hat. Das Wort onsen bezeichnet heiße Quellen, und Hokkaido ist dafür berühmt, weil die Insel vulkanisch aktiv ist.
Mein Tipp: Wer in Hokkaido übernachtet, sollte mindestens zwei Nächte einplanen. Sapporo allein für einen Tag abzuhaken, wäre schade. Der Susukino-Distrikt am Abend, der Nijo-Markt am Morgen, frischer Seeigel auf Reis (うに丼 (uni-don, Reisschale mit Seeigel)) direkt am Markt, das ist Hokkaido, wie es sein soll.
JR Pass oder nicht? Die Rechenaufgabe, die sich lohnt
Der JR Pass ist kein Selbstläufer mehr. Seit der Preiserhöhung 2023 kostet der 14-Tage-Pass für Erwachsene rund 700 Euro, der 7-Tage-Pass etwa 435 Euro. Konkret heißt das, wer ihn kauft, muss wirklich viel Strecke machen, damit er sich lohnt.
Apropos Strecken: Der 新幹線 (Shinkansen, Hochgeschwindigkeitszug) von Tokyo nach Sapporo existiert seit März 2016 als Hokkaido-Shinkansen, fährt aber nur bis Shin-Hakodate-Hokuto. Von dort geht es weiter mit dem 特急 (Tokkyu, Schnellzug) (Schnellzug) nach Sapporo, was nochmal rund 3,5 Stunden dauert. Die Gesamtfahrzeit Tokyo-Sapporo beträgt also über 8 Stunden. Deshalb wählen viele die Alternative: Inlandsflug von Tokyo (Haneda) nach Sapporo (Chitose) für manchmal unter 50 Euro, wenn man früh bucht. Peach Aviation oder Air Do sind günstige Optionen.
Wann rechnet sich der JR Pass auf dieser Route?
Rate mal, was eine typische Strecke kostet. Tokyo nach Osaka mit dem Nozomi-Shinkansen (nicht im JR Pass enthalten, nur Hikari und Kodama) liegt bei rund 14.000 Yen, also etwa 85 Euro einfach. Wer also Tokyo, Kyoto, Osaka und Hiroshima kombiniert und dazu noch Hokkaido ansteuert, kommt schnell auf Strecken, die den 14-Tage-Pass rechtfertigen.
Ganz ehrlich, für eine reine Runde Tokyo-Kyoto-Osaka ohne Hokkaido reicht oft ein 7-Tage-Pass oder sogar Einzeltickets über die IC-Karte. Der Schritt nach Hokkaido macht den JR Pass dann sinnvoller, weil die Strecken länger werden. Meiner Erfahrung nach sollte man vor dem Kauf die eigene Route auf der Seite von Hyperdia oder Japan Transit Planner durchrechnen, Einzelticketpreise addieren und dann vergleichen.
Konkrete Routenideen für 10 bis 12 Tage im November
Eine typische Route ohne Hokkaido sieht so aus: 3 Nächte Tokyo, 1 Nacht Hakone (mit Blick auf den Fuji, wenn das Wetter mitspielt), 2 Nächte Kyoto, 1 Nacht Nara als Tagesausflug von Kyoto und 2 Nächte Osaka. Das sind 9 bis 10 Nächte, und man hat noch Luft für Spontanes.
Mit Hokkaido sieht es so aus: 2 Nächte Sapporo, Flug nach Tokyo, dann weiter wie oben. Oder umgekehrt, mit Hokkaido am Anfang. Was ich besonders mag, ist, dass diese Variante dem Trip eine eigene Dramaturgie gibt. Man startet ruhig und naturverbunden im Norden und landet dann im Chaos von Shinjuku oder Dotonbori in Osaka. Der Kontrast ist enorm.
Anders als bei uns in Deutschland, wo Städtereisen oft ähnliche Energie haben, ist der Sprung von Hokkaido nach Tokyo ein echter Kulturschock innerhalb desselben Landes. Und dieser Schock ist positiv gemeint.
November in den Großstädten: Was läuft gerade?
In Kyoto ist November einer der besten Monate überhaupt. Die koyo-Saison in Arashiyama und im Eikan-do-Tempel zieht zwar Menschenmassen an, aber das Licht, die Farben und die Atmosphäre machen es trotzdem wert. In Tokyo leuchtet der Shinjuku Gyoen-Nationalpark in Orange und Rot. Und Osaka? Osaka braucht keine besonderen Jahreszeiten, denn Osaka hat einfach immer Energie. Das klingt wie ein Klischee, ist aber wahr.
Übrigens, wer Japanisch lernt, findet im November besonders gute Übungsmöglichkeiten. Auf Speisekarten stehen saisonale Begriffe wie 秋刀魚 (sanma, Pazifischer Saury) (Pazifischer Saury) oder matsutake (Herbstpilz), die man so in keinem Lehrbuch findet. November ist die Zeit, wo echtes Alltags-Japanisch im Restaurant oder am Bahnhof gefordert wird, weil weniger Personal auf Englisch ausweicht als in Hochsaison-Monaten.
Mein Fazit: Hokkaido lohnt sich im November, aber nur wenn man bereit ist, mindestens 2 bis 3 extra Tage einzuplanen und entweder den JR Pass konsequent nutzt oder günstige Inlandsflüge früh bucht. Wer nur 10 Tage hat und zum ersten Mal Japan sieht, sollte überlegen, ob Hokkaido nicht besser für eine zweite Reise aufgehoben wird.
Häufige Fragen
Ist Hokkaido im November zu kalt für eine Reise?
Nicht unbedingt. Die Temperaturen liegen in Sapporo bei rund 3 bis 10 Grad, je nach Monatshälfte. Mit warmer Kleidung ist die Reise gut machbar, und die Herbstfarben sowie die ruhigen Reisebedingungen sprechen klar für November als Reisemonat.
Rechnet sich der JR Pass für eine Reise mit Hokkaido?
Das hängt von der geplanten Route ab. Wer Tokyo, Kyoto, Osaka und Hokkaido kombiniert, kommt auf Streckenkosten, die den 14-Tage-Pass oft rechtfertigen. Wer stattdessen einen Inlandsflug nach Sapporo bucht, kann auf den JR Pass verzichten oder einen kürzeren 7-Tage-Pass nutzen.
Wie viele Tage sollte man für Hokkaido einplanen?
Mindestens 2 bis 3 Nächte, besser 3 bis 4. Nur einen Tag in Sapporo zu verbringen, wäre zu wenig, um die Umgebung zu erkunden. Wer auch Noboribetsu oder Otaru besuchen möchte, braucht entsprechend mehr Zeit.






