Tag 1 und 2: Osaka – Fressen, Staunen, Wiederholen
Kennst du das Gefühl, wenn du aus dem 新幹線 (Shinkansen, Hochgeschwindigkeitszug) steigst und der erste Geruch nach gebratenem Teig und Sojasauce dich sofort einholt? Willkommen in Osaka. Die Stadt nennt sich selbst 天下の台所 (tenka no daidokoro, Küche der Nation), die Küche der Nation. Klingt gut, oder?
Starte Tag 1 in 道頓堀 (Dotonbori, Viertel Dotonbori). Das ist das Touristenviertel mit den riesigen Leuchtreklamen, der aufblasbaren Krabbe und dem berühmt-berüchtigten Glico-Mann über dem Kanal. Ja, es ist voll. Ja, du gehst trotzdem hin. Probiere dort たこ焼き (takoyaki, Oktopusbällchen), die kleinen Oktopuskugeln, die frisch aus der Pfanne kommen und innen noch flüssig sind. Mein Tipp: Nicht sofort reinbeißen. Ernsthaft, die Dinger sind eine Brandgefahr.
Am zweiten Tag wechselst du die Perspektive. 新世界 (Shinsekai, Viertel Shinsekai), das altmodische Viertel im Süden, fühlte sich jahrzehntelang wie vergessene Zeit an, also billiges Essen, Pachinkohallen und ältere Einheimische. Heute wird es touristischer, aber den Charme hat es noch. Iss dort 串カツ (kushikatsu, frittierte Spieße), frittierte Spieße in Paniermehl. Die goldene Regel lautet: Niemals die Sauce zweimal tauchen. Das steht an jedem zweiten Tisch auf einem Schild, auf Englisch und auf Japanisch. Ignorieren gilt nicht.
Osaka-jo und Umeda: Pflicht und Vergnügen
大阪城 (Osaka-jo, Osaka-Burg), die große Burg mitten in der Stadt, lohnt sich vor allem wegen des Parks drumherum. Die Burg selbst ist ein Betonrekonstrukt aus den 1930ern und das Innenleben ist ein Museum. Trotzdem hat man von der Aussichtsplattform einen schönen Blick über die Stadt. Nicht schlecht, oder?
Abends gehst du nach Umeda. Das ist das Nordviertel rund um den Bahnhof, also Kaufhäuser, Bars und Izakayas in jedem Hinterhof. Wer Japanisch lernt, kommt im Izakaya gar nicht drum herum, ein paar Grundbegriffe zu kennen. Toriaezu nama bedeutet so viel wie „erstmal ein Fassbier", und damit fängst du jedes gute Abendessen an.
Tag 3 bis 5: Kyoto – Tempel, Viertel und die richtige Reihenfolge
Osaka und Kyoto liegen nur 15 Minuten mit dem Shinkansen oder etwa 30 Minuten mit dem Hankyu-Expresszug auseinander. Deshalb empfehle ich, die Basis in Osaka zu behalten und Kyoto als Tagesausflug zu nutzen oder direkt umzuziehen, wenn du mehr Ruhe willst. Ich bevorzuge Option zwei.
Tag 3 gehört Higashiyama. Das ist das Viertel mit den gepflasterten Gassen, den Souvenirläden und dem Kiyomizudera oben auf dem Hang. Der Tempel kostet 500 Yen Eintritt und ist einer der bekanntesten Holzbauten Japans, gegründet im Jahr 778. Der heutige Bau stammt aus dem 17. Jahrhundert. Früh morgens, kurz nach der Öffnung um 6 Uhr, ist es noch erstaunlich leer. Aber das ist noch nicht alles.
Nebenan liegt Ninenzaka, eine Kopfsteinpflastergasse, die tatsächlich noch so aussieht wie auf den Postkarten. Schauen wir uns mal Ninenzaka und Sannenzaka genauer an: Beide Gassen stehen unter Denkmalschutz. Werbetafeln und moderne Fassaden sind verboten. Deshalb fühlst du dich dort wie in einer anderen Zeit. Das ist kein Bühnendekor, das ist echter Stadtschutz.
Fushimi Inari und die 10.000 Torii
Tag 4 beginnt früh, und ich meine wirklich früh. Fushimi Inari Taisha öffnet rund um die Uhr, hat keinen Eintritt und der berühmte Tunnel aus roten torii-Toren zieht sich über vier Kilometer den Berg hinauf. Bis circa 7 Uhr morgens hast du den unteren Teil fast für dich allein. Um 10 Uhr kommen die Reisebusse. Plot-Twist: Der Gipfel liegt auf 233 Metern und braucht gut 2 Stunden hin und zurück, aber die meisten Gruppen drehen bei der Hälfte um. Einfach weiterlaufen lohnt sich.
Das Viertel Fushimi Inari liegt im Süden Kyotos und ist erreichbar mit der Keihan-Linie bis Fushimi Inari Station oder der JR Nara-Linie bis Inari Station. Beide Bahnhöfe liegen direkt vor dem Tempeleingang. Wer seinen Japan-Wortschatz trainieren will: torii ist das orangefarbene Shinto-Tor und jedes einzelne davon wurde von einem Unternehmen oder einer Privatperson gespendet. Auf der Rückseite steht jeweils der Name und das Datum der Stiftung.
Arashiyama: Bambuswälder und ruhige Tempel
Tag 5 gehört dem Westen Kyotos. Arashiyama ist bekannt für den Bambuswald, der ehrlich gesagt kleiner ist als erwartet, aber trotzdem beeindruckend. Der Weg durch den Wald dauert vielleicht 10 Minuten, aber das Licht dort, das Rascheln der Halme und der kaum hörbare Wind setzen sich fest. Mal ehrlich: Ein Foto fasst das nicht wirklich.
In der Nähe liegt Tenryuji, ein Zen-Tempel aus dem 14. Jahrhundert mit einem der schönsten Gärten Kyotos. Der Eintritt für den Garten kostet 500 Yen, für Tempel und Garten zusammen 800 Yen. Was ich besonders mag: Man kann im Tempel Zazen-Meditationen beobachten und das Wort zazen kommt einem im Japanischunterricht schnell unter, wenn man über Zen-Buddhismus spricht.
Jetzt kommt der Haken: Arashiyama ist nachmittags voll. Wer von Fushimi Inari kommt, braucht über eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Also entweder Arashiyama morgens erledigen und Fushimi Inari am Nachmittag oder den Tag aufteilen. Für mich persönlich funktioniert Arashiyama am frühen Morgen am besten.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich für Osaka und Kyoto einplanen?
Fünf Tage sind ein guter Richtwert: zwei Tage für Osaka und drei für Kyoto. Wer mehr Zeit hat, kann einzelne Viertel tiefer erkunden oder Tagesausflüge nach Nara oder Kobe einbauen.
Welche Stadt eignet sich besser als Basis?
Osaka ist günstiger und zentraler für Kansai. Von dort aus sind Kyoto, Nara und Kobe bequem erreichbar. Wer lieber Ruhe und historisches Flair möchte, übernachtet in Kyoto.
Brauche ich einen Japan-Rail-Pass für diese Route?
Für nur Osaka und Kyoto lohnt sich der Rail Pass meistens nicht. Die lokalen IC-Karten wie Icoca reichen völlig aus und sind günstiger für kurze Strecken.






