Für JPnerd ist das auch deshalb interessant, weil solche Leaks oft mehr über die Arbeitsweise japanischer Marken verraten als über das fertige Spiel selbst. Ganondorf als Hauptfigur, Ubisoft Milan im Hintergrund und ein abgelehnter Prototyp im Jahr 2023, das ist schon eine ungewöhnlich konkrete Mischung. Und ja, man merkt sofort, warum das Internet daran hängenbleibt.
Nintendo und Ubisoft: Ausgerechnet Ganondorf stand im Zentrum
Die eigentliche Meldung ist schnell erzählt. My Nintendo News berichtet, dass Nintendo und Ubisoft an einem Zelda-Spiel gearbeitet haben, das am Ende eingestellt wurde. Im Kern ging es um Ganondorf als Hauptfigur, also nicht um einen weiteren Link-Klon mit anderem Kostüm, sondern um eine deutlich andere Perspektive auf Hyrules Machtpolitik. Das ist schon spannend, weil hier ein Zelda-Spin-off nicht nur anders aussehen, sondern auch anders gedacht werden sollte.

Der Bericht fügt sich in mehrere weitere Quellen ein, darunter Eurogamer.de, JPGAMES.DE und Kotaku. Die Richtung ist dabei erstaunlich konsistent. Ubisoft Milan soll einen Prototypen gebaut haben, Nintendo habe das Grundkonzept nicht sofort abgeräumt, aber das Projekt dann 2023 beendet. Kein Wunder, denn ein Zelda-Spiel mit Ganondorf ist eben nicht automatisch eine gute Idee, nur weil sie laut klingt.
Der Prototyp, der 2023 nicht überlebt hat
Besonders brisant ist der Teil mit dem verworfenen Prototypen. Mehrere Berichte sprechen davon, dass Ubisoft Milan nach dem Erfolg von Mario + Rabbids weiter an einem größeren Nintendo-Projekt saß und dafür bereits spielbare Konzepte vorbereitet hatte. Laut den Leaks soll Nintendo den Vorschlag sogar grundsätzlich interessant gefunden haben, dann aber den Kurs korrigiert haben. Im Ergebnis blieb 2023 die Absage, und damit endete der Testlauf, bevor daraus etwas Öffentliches werden konnte.

Genau hier wird aus einem normalen Gerücht eine für Fans gut greifbare Geschichte. Ein Prototyp bedeutet in der Regel, dass mehr als nur ein grobes PowerPoint-Deck existierte. Es gab also offensichtlich schon Arbeit an Spielstruktur, Tonalität und vermutlich auch an der Frage, wie Ganondorf als Figur überhaupt funktioniert, ohne sofort in die nächste Bosskampf-Schleife zu kippen. Und ja, das ist der Punkt, an dem viele Konzepte an ihrer eigenen Coolness scheitern.
Fairerweise muss man sagen, dass Nintendo bei Zelda traditionell sehr klar ist, wenn eine Idee nicht zur Reihe passt. Die Marke lebt nicht nur von Heldenrollen, sondern von einer ziemlich präzisen Balance aus Mythos, Lesbarkeit und Spielgefühl. Ein Ganondorf-Spiel müsste diese Balance neu definieren, und genau das ist häufig der Punkt, an dem externe Partner ins Stolpern geraten. Man muss halt schon wollen, und zwar mit einem sauberen Plan.
Davide Soliani und die Ubisoft-Milan-Spur
Und es kommt noch besser: In den Berichten fällt auch der Name Davide Soliani, der bei Ubisoft Milan eine zentrale Rolle spielte und nach Mario + Rabbids ohnehin als jemand galt, der Nintendos Marken ungewöhnlich respektvoll, aber nicht zahm behandelt. Dass er bei diesem Zelda-Projekt beteiligt gewesen sein soll, passt ins Bild. Ubisoft Milan hat mit Mario + Rabbids gezeigt, dass das Studio Nintendo nicht nur technisch bedienen, sondern auch tonal ziemlich präzise treffen kann.

Gerade deshalb ist diese Nachricht so unangenehm interessant. Ein Studio mit Mario + Rabbids-Erfahrung, ein Zelda-Spin-off, Ganondorf als Protagonist und am Ende doch ein Stopp aus Kyoto. Das deutet nicht auf kreative Flaute hin, sondern eher auf eine sehr bewusste Sortierung dessen, was Nintendo mit seinen Figuren machen lässt und was nicht. Typisch Japan, oder? Die Marke ist offen für Experimente, aber eben nicht beliebig.
Ein gutes Beispiel ist hier auch die Außenwirkung. Für viele Fans klingt Ganondorf als Hauptfigur sofort nach einer wilden, fast schon zu offensichtlichen Idee. Für eine japanische Marke ist das aber keine Reizwort-Spielerei, sondern eine Frage von Kanon, Figurentiefe und Kontrolle über die Marke. Das ist auch für Japanisch-Lerner spannend, weil man an solchen Fällen schön sieht, wie stark Begriffe wie 管理 (kanri, Verwaltung; Kontrolle), 制限 (seigen, Beschränkung; Einschränkung) oder 設定 (settei, Einstellung; Konfiguration) im Hintergrund mitschwingen, selbst wenn sie nie im fertigen Marketing auftauchen.

Was dieser Leak über Nintendo und Ubisoft verrät
Mich interessiert an dieser Geschichte weniger das Vielleicht-Spiel als die Struktur dahinter. Nintendo lässt Partner nicht einfach machen, sondern prüft sehr genau, ob ein Projekt die eigene Figurensprache trägt. Ubisoft wiederum hat mit Mario + Rabbids bewiesen, dass es sich in Nintendos Kosmos einarbeiten kann, aber eben nicht automatisch jede kreative Schwelle überschreitet, die Kyoto am Ende zieht. Das ist keine Tragödie, eher Markenpolitik mit Handschlag und klarer Kante.
Für Japan-Fans ist der Fall auch deshalb reizvoll, weil er zeigt, wie selten Nintendo seine großen Figuren außerhalb der Hauptreihe wirklich aus der Hand gibt. Ganondorf ist nicht irgendein Bösewicht, sondern das Gegengewicht zu Zelda und Link, also eine Figur mit Gewicht und Mythos. Wenn daraus ein eigenes Spiel werden sollte, dann nur mit einer sehr genauen Vorstellung davon, was diese Figur erzählen darf. Alles andere wäre nur ein hübscher Gag mit Lizenzstempel.
Mein Tipp: Wer solche Leaks mag, sollte sie nicht nur als Fanservice lesen, sondern als Blick in die Entscheidungslogik großer Marken. Da steckt oft mehr drin als in mancher Direct-Ankündigung. Und genau deshalb ist dieses abgelehnte Ubisoft-Zelda mehr als ein kurzes Aufhorchen in den sozialen Netzwerken. Es ist ein sauberer Hinweis darauf, wie kontrolliert Nintendo seine Figuren hält, selbst wenn ein Partner mit Erfahrung und einem starken Pitch anklopft. Und vielleicht erklärt genau das, warum solche Projekte so oft intern bleiben.
In Bildern
Haeufige Fragen
Wurde das Zelda-Spiel mit Ganondorf wirklich offiziell angekündigt?
Nein, nach den vorliegenden Berichten handelte es sich um ein internes Ubisoft-Projekt beziehungsweise einen Prototypen, nicht um eine offizielle Ankündigung.
Warum wurde das Projekt laut den Berichten beendet?
Mehrere Quellen deuten darauf hin, dass Nintendo den Prototyp 2023 ablehnte oder das Projekt stoppte, obwohl die Idee zunächst geprüft wurde.
Welche Rolle spielte Davide Soliani?
Davide Soliani soll an dem Ubisoft-Milan-Projekt beteiligt gewesen sein, also an der internen Entwicklung rund um das geplante Zelda-Spin-off.
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