Überblick
Ich war noch nicht selbst in Jeddah, aber die Berichte über Son of a Bee lesen sich wie eine Speisekarte, die ich sofort unterschreiben würde. Das Café liegt in Jeddah, der großen Hafenstadt Saudi-Arabiens am Roten Meer, und hat sich auf 抹茶 (Matcha, gemahlener grüner Tee) und Kaffee spezialisiert. Laut einem Bericht von Arab News wurde die Karte bewusst so gebaut, dass sie japanische Teetradition mit lokalem Geschmack zusammenbringt, statt einfach eine Kopie eines 喫茶店 (Kissaten, traditionelles Café/Teehaus) aus Kyoto zu sein. Das Ergebnis ist bunt, teils ziemlich süß und klar auf den Publikumsgeschmack in Jeddah zugeschnitten, ohne dabei die Herkunft des Matcha zu verstecken.
Die Karte: drei Kategorien, ein grüner Faden
Was du dort bestellen kannst, ist sauber sortiert. Genau das mag ich an gut durchdachten Café-Karten: Du weißt vor der Bestellung, worauf du dich einlässt.

- Classic Matcha: traditioneller Matcha Latte, Matcha-Sirup-Getränke und ein purer, kräftiger Matcha-Espresso beziehungsweise -Shot für alle, die den bitteren Kick ohne viel Milch wollen.
- Floral & Fruity Series: Matcha trifft auf florale Noten wie 桜 (Sakura, Kirschblüte) und Jasmin sowie Fruchtpürees wie 柚子 (Yuzu, Yuzu-Zitrusfrucht) und Erdbeere. Das Aushängeschild hier ist ein Sakura-Matcha mit Honig und Rosenblättern, süß und blumig zugleich.
- Sweet Creations and Desserts: Soft-Serve-Eis, Crêpes und Patisserie-Stücke mit Matcha-Schlieren, dazu Toppings, die klar an lokale Dessert-Trends angepasst sind, etwa Dattelsirup oder Dattelpaste statt klassischem Honig.
Pro-Tipp, falls du zum ersten Mal dort bist: Fang mit dem klassischen Matcha Latte an, um die Basis-Qualität einzuschätzen, bevor du dich an die floral-fruchtigen oder stark gesüßten Varianten wagst. So merkst du schnell, ob dir das Matcha-Pulver selbst zusagt, unabhängig vom ganzen Sirup und Topping drumherum.
Metallic Matcha & Coffee Bar: Design als Teil des Erlebnisses
Ein Teil des Ladens läuft unter dem Namen Metallic Matcha & Coffee Bar, und das ist mehr als nur ein cooler Name. Hier treffen Edelstahl, helles Holz und Glas aufeinander, in einer strengen, vom japanischen Café-Design inspirierten Formsprache. Reduziert, ruhige Farbpalette, keine überladene Deko. Das Café orientiert sich klar an japanischer Café-Ästhetik, ohne sie eins zu eins zu kopieren, was ich sehr sympathisch finde, denn direkte Kopien von japanischem Interieur wirken im Ausland oft aufgesetzt.

Interessant ist, dass Atmosphäre hier genauso wichtig genommen wird wie der Geschmack. Der Laden bezieht sich explizit auf das japanische Ästhetik-Konzept 間 (Ma, Zwischenraum, bewusste Leere), das Gleichgewicht von leerem Raum und bewusster Leere. Auf Deutsch: nicht jede Fläche muss vollgestellt sein, Stille und Abstand gehören genauso zum Design wie Tresen und Sitzplätze. Das ist ein Konzept, das man in traditionellen Teehäusern in Japan ständig spürt, und es freut mich, dass es hier bewusst übernommen wird statt einfach nur grüne Farbe und Bambus-Deko hinzustellen.
Kaffee neben Matcha
Son of a Bee ist kein reines Matcha-Café, Kaffee läuft gleichberechtigt mit. Das ist ein Muster, das ich auch aus vielen Cafés in Tokyo und Kyoto kenne: Matcha und Kaffee teilen sich Tresen und Maschinen, und die Gäste wechseln je nach Tageszeit zwischen beidem. Für Erstbesucher heißt das, du musst dich nicht auf eine Schiene festlegen, wenn du mit einer Gruppe da bist, bei der nicht alle auf grünen Tee stehen.

Warum das für Japan-Fans spannend ist
Für mich ist Son of a Bee ein gutes Beispiel dafür, wie sich japanische Alltagskultur außerhalb Japans weiterentwickelt, ohne ihren Kern zu verlieren. Begriffe wie Matcha, Sakura, Yuzu und Ma sind ein guter Einstieg, wenn du nebenbei ein bisschen Japanisch lernen willst, gerade weil sie im Café-Kontext ständig auftauchen und du sie dir über Geschmack und Bild merkst statt über eine trockene Vokabelliste. Matcha selbst kommt vom japanischen Wort für gemahlenen Tee, und wer einmal verstanden hat, warum die Körnung des Pulvers über bitter oder mild entscheidet, hat auch gleich einen Eindruck von der Sorgfalt, die in traditioneller japanischer Teekultur steckt.
Wo du echten Matcha in Japan erlebst
Nach 15 Reisen nach Japan sage ich dir ehrlich: Wenn du das Original willst, führt kaum ein Weg an Uji bei Kyoto vorbei, seit Jahrhunderten das Zentrum der Matcha-Produktion in Japan. Dort bekommst du frisch gemahlenen Matcha direkt von Teehäusern, die seit Generationen am gleichen Ofen stehen. In Kyoto selbst reihen sich kleine Kissaten und moderne Matcha-Cafés aneinander, oft mit genau der reduzierten Ästhetik, die Son of a Bee als Vorbild nimmt. Auch in Tokyo, etwa in Vierteln wie Omotesando oder Yanaka, findest du eine wachsende Zahl an Matcha-Bars, die zwischen Tradition und Streetfood-Tempo pendeln, mit Soft-Serve, Lattes und purem 薄茶 (Usucha, dünn zubereiteter Matcha)-Matcha nebeneinander auf der Karte. Wenn du das nächste Mal in Japan bist, würde ich dir raten, dir mindestens eine traditionelle Zubereitung mit Bambusbesen anzusehen, bevor du zum süßen Matcha-Dessert greifst. Der Unterschied in Intensität und Bitterkeit erklärt dir mehr über die Teekultur als jeder Reiseführer.
