Frühlingsfeste in Japan: Hanami, Matsuri und Bräuche im Überblick

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Überblick: Ein Frühling voller Feste

Der japanische Festkalender kennt im Frühling keine Pause. Er beginnt am 3. März mit Hinamatsuri, dem Fest der Mädchen, und schließt, grob gerechnet, am 15. Mai mit dem Aoi (matsuri, Fest, Festival) in Kyoto. Dazwischen liegt die Kirschblüte, liegen Dutzende regionale Matsuri, liegt ein ganzes Land, das sich für ein paar Wochen nach draußen wendet, unter blühende Bäume, in geschmückte Straßen, vor tanzende Puppen aus Holz. Wer diese Feste bereist oder auch nur aus der Ferne verfolgt, tut gut daran, die Termine nicht als fix zu betrachten. Manche Feste folgen dem Mondkalender, manche der Blütezeit, die selbst jedes Jahr anders liegt. Ein Blick auf die offizielle Seite der jeweiligen Stadt oder des jeweiligen Schreins vor der Reise lohnt sich immer.

Hinamatsuri: Das Fest der Mädchen und seine Puppen

Am 3. März stellen Familien in ganz Japan die (hina, (kleine) Puppe, Küken)-ningyo auf, kunstvoll gekleidete Puppen, die den Kaiserhof der Heian-Zeit darstellen: Kaiser und Kaiserin, Hofdamen, Musikanten, Minister. Sie stehen gestaffelt auf einem hina-dan, einem Stufenpodest, das je nach Familie fünf, sieben oder mehr Ebenen hat. Die Puppen selbst sind ein eigenes Handwerk, mit Seidengewändern, die in Lagen geschichtet werden, mit Gesichtern aus bemaltem Gofun (einer Muschelkalk-Paste), die über Generationen weitergegeben werden. Dazu kommen hina-arare, gerösteter, leicht gesüßter Reis-Snack in Rosa, Grün, Gelb und Weiß, und shirozake, ein süßer, milchig-trüber Reiswein mit niedrigem Alkoholgehalt. Man stellt die Puppen rechtzeitig auf und räumt sie, so eine verbreitete Überlieferung, rasch nach dem Fest wieder weg. Das Ritual ist eines der stillsten im japanischen Jahr, häuslich, sorgfältig, ohne große Prozession.

Spring Festivals in Japan
Lifes Legacy / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Shunbun no hi: Die Frühlings-Tagundnachtgleiche

Um den 20. März herum, das genaue Datum verschiebt sich von Jahr zu Jahr mit der astronomischen Tagundnachtgleiche, ist Shunbun no hi ein gesetzlicher Feiertag. Anders als die lauten Matsuri ist dieser Tag nach innen gerichtet: Familien besuchen die Gräber ihrer Vorfahren, verbringen Zeit miteinander, halten inne. Es ist ein ruhiger Punkt mitten im Frühlingskalender, bevor die Kirschblüte und die großen Prozessionen die Straßen wieder füllen.

Hanami: Die Kirschblüte als jährliches Ritual

(Hanami, Kirschblütenbetrachtung), das Betrachten der Blüten, ist das bekannteste Frühlingsereignis Japans und zugleich das am wenigsten planbare. In Tokyo liegt der Höhepunkt der Blüte typischerweise zwischen Ende März und Anfang April, in Kyoto folgt er wenige Tage später. Beliebte Plätze in Tokyo sind der Ueno-Park, der Yoyogi-Park und der Meguro-Fluss, dessen Ufer sich für ein paar Tage in einen rosa Tunnel verwandeln. In Kyoto sind es der Maruyama-Park und der Philosophenweg, ein schmaler Kanal, an dem sich Hunderte Kirschbäume entlangziehen. Man breitet Planen unter den Bäumen aus, isst, trinkt, sitzt. Es ist ein Fest ohne Bühne, ohne Prozession, nur die Bäume und die Zeit, die man ihnen widmet.

Takayama Matsuri: Geschnitzte Yatai und mechanische Puppen

Am 14. und 15. April zieht die Frühlingsausgabe des Takayama Matsuri, auch Takayama Sanno Matsuri genannt, durch die Altstadt von Takayama in der Region Hida, Präfektur Gifu. Im Zentrum stehen die (yatai, Festwagen, Verkaufsstand), aufwendig geschnitzte Festwagen, von denen einige bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurückreichen. Manche tragen (karakuri, mechanische Puppe, Automat), mechanische Puppen, die über ein verborgenes System aus Fäden und Hebeln bewegt werden und kleine Theaterszenen aufführen, ganz ohne Motor, nur mit der Präzision alter Handwerkskunst. Die Wagen ziehen durch Sanmachi-suji, das alte Kaufmannsviertel mit seinen dunklen Holzfassaden. Wer die Schnitzereien aus der Nähe sehen will, kann dies außerhalb der Festtage im Yatai Kaikan tun, der Ausstellungshalle, in der ein Teil der Festwagen das ganze Jahr über gezeigt und rotiert wird. Ich habe dort einmal lange vor einem einzelnen Rad gestanden, aus einem Stück Holz gedrechselt, mit Lack in einem Rotton überzogen, der über Jahrzehnte nachdunkelt. Man vergisst leicht, wie viele Hände über Generationen an einem einzigen Wagen gearbeitet haben.

Spring Festivals in Japan
Utagawa Kōshū / Wikimedia Commons (Public domain)

Aoi Matsuri: Heian-Prunk in Kyoto

Am 15. Mai bewegt sich eine Prozession von rund 500 Teilnehmern in Gewändern der Heian-Zeit vom Kaiserpalast zu den Schreinen Shimogamo und Kamigamo. Aoi Matsuri, auch Kamo-Fest genannt, geht auf höfische Zeremonien jener Zeit zurück, die für eine gute Ernte und ruhiges Wetter beten sollten. Die Kostüme selbst sind ein eigenes Kapitel Textilgeschichte: mehrlagige Seidengewänder, deren Farbkombinationen genau festgelegt waren und den Rang der tragenden Person anzeigten. Wagen mit Ochsen, Reiter, Hofdamen, alles bewegt sich langsam, fast zeremoniell, durch die Straßen Kyotos, als würde die Stadt für einen Tag zweihundert Jahre zurückblättern.

Sanja Matsuri und Kanda Matsuri: Tokyos laute Frühlingsseele

Am dritten Maiwochenende verwandelt sich Asakusa für den Sanja Matsuri in eine der lautesten und lebendigsten Bühnen Tokyos. Drei große (mikoshi, tragbarer Schrein), tragbare Schreine, werden von Trägergruppen durch die engen Gassen rund um den Sensoji-Tempel geschaukelt, begleitet von Rufen, Trommeln, Menschenmassen. Kanda Matsuri, eines der drei großen Feste aus der Edo-Zeit, folgt einem eigenen Rhythmus: In seinen sogenannten großen Jahren findet die Hauptprozession Mitte Mai statt, vom Schrein Kanda Myojin aus, mitten durch das heutige Finanzviertel Tokyos, wieder mit omikoshi, die von Trägern in traditioneller Kleidung geschultert werden. Beide Feste zeigen eine Seite Tokyos, die unter der modernen Oberfläche der Stadt weiterlebt, körperlich, laut, kollektiv.

Fuji Shibazakura Festival: Ein rosa Teppich vor dem Berg Fuji

Am Ufer des Motosu-Sees in Yamanashi, etwa von Mitte April bis Ende Mai, öffnet sich ein Feld aus shibazakura, niedrig wachsendem Moosphlox in Rosa- und Violetttönen, mit dem Fuji im Hintergrund, wenn das Wetter mitspielt. Erreichbar ist das Gelände mit dem Fuji-Kyuko-Bus ab dem Bahnhof Kawaguchiko oder mit dem eigenen Wagen, wobei die Parkplätze vor Ort begrenzt sind. Anders als die Matsuri mit ihren Prozessionen ist dieses Fest ein reines Landschaftsbild, ein Teppich aus Blüten, der sich über mehrere Wochen hält, länger als jede Kirschblüte.

Spring Festivals in Japan
Seaman Ryan Greene / Wikimedia Commons (Public domain)

Hirosaki Sakura Festival: Kirschblüten bei Nacht

Rund um Hirosaki Castle in der Präfektur Aomori, etwa vom 23. April bis zum 5. Mai, verwandeln sich Burgpark und Burggraben in eine der dichtesten Kirschbaum-Ansammlungen des Landes. Am Abend werden die Bäume beleuchtet, das Licht bricht sich im Wasser des Grabens, auf dem man Boote mieten kann, um zwischen den überhängenden Ästen hindurchzurudern. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, Hanami nicht am Boden sitzend, sondern vom Wasser aus zu erleben.

Miyako Odori: Tanzkunst der Geiko und Maiko in Gion

Den ganzen April über zeigen Geiko und Maiko im Kyotoer Viertel Gion tägliche Aufführungen des Miyako Odori, des Tanzes der Hauptstadt. Kostüme, Bewegung, Musik, alles folgt einer Form, die seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert wurde. Wer die textile Seite dieser Kunst sehen will, den aufwendigen Obi, die Schichtung der (Kimono, traditionelles japanisches Gewand), findet hier eine der letzten Bühnen, auf denen dieses Handwerk noch im lebendigen Gebrauch zu sehen ist, nicht im Museum, sondern am Körper der Tänzerinnen.

Spring Festivals in Japan entdecken: Wie man einsteigt und mehr erfährt

Der einfachste Einstieg ist die Kirschblüte selbst, weil sie kein Ticket, keine Anmeldung, keine Ortskenntnis verlangt. Wer einen Schritt weitergehen will, plant die Reise um ein festes Datum herum, etwa den Aoi Matsuri am 15. Mai oder den Takayama Matsuri Mitte April, und prüft die offizielle Terminseite der jeweiligen Stadt, da sich Daten von Jahr zu Jahr leicht verschieben können. Für alle, die sich zusätzlich mit der Sprache beschäftigen, lohnt sich ein Blick auf die romanisierten Begriffe hinter den Festen, hina, matsuri, (sakura, Kirschblüte), mikoshi, denn hinter jedem steckt ein eigenes Kanji-Zeichen mit eigener Bedeutungsgeschichte, ein kleiner, aber lohnender Einstieg für alle, die parallel Japanisch lernen. Museen wie der Yatai Kaikan in Takayama oder die Ausstellungsräume in Asakusa halten die Objekte auch außerhalb der Festtage zugänglich, für alle, die sich für das Handwerk hinter den Wagen und Puppen interessieren, nicht nur für die eine laute Nacht im Jahr.

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